Im Gegensatz zu gebräuchlichen Multiple Choice Methoden, die die
Kombinationsmöglichkeiten extrem reduzieren, indem sie eine künstliche
Entscheidungssituation erzeugen, sind hier extrem viele Kombinationen möglich.
Die Wahrscheinlichkeit, dass auch nur zwei Teilnehmer auf die ersten drei
Fragen die gleichen Antworten geben, ist kleiner als 1:100.000.
Die Einstellung zu Erfolg ist ein äußerst qualitatives Thema, dem dadurch Genüge getan wird, dass auch qualitativ gefragt wird.
Obwohl eine Auswertung unter Einbeziehung der qualitativen Antworten nur
individuell erfolgen kann, sind dennoch die ersten drei Fragen einer
quantitativen Auswertung zugänglich.
Die von Gregory Bateson ausgehende Erforschung der menschlichen
Kommunikation hat u.a. durch Paul Watzlwick und Ronald D. Laing
zur Beschreibung der sogenannten „Doppelbindungstheorie“ (double-bind
theory) geführt. Der Mensch wird durch widersprüchliche und paradoxe
Anweisungen verwirrt und überfordert. Diese Situation wird dadurch
erschwert, dass Kommunikation sowohl auf der Inhalts-, wie auf der
Beziehungsebene stattfindet, was weiteres Konfliktpotential birgt.
Seit dem Aufkommen der sogenannten Postmoderne-Theorien durch Jean
Francois Lyotard, Niklas Luhmann und Peter Sloterdijk werden
Widersprüchlichkeit und Paradoxe zunehmend als Zeichen unserer
Kommunikation und Gesellschaftsordnung anerkannt und beschrieben.
In zeitgemäßen Erziehungs- und Therapiekonzepten steht deshalb nicht mehr
die Entscheidungs- und Zielfindung, sondern der Umgang mit Widersprüchen
im Mittelpunkt der Sozialisationsprozesse.
Die Flexibilität und Mobilität, die heute im Berufsleben erwartet werden,
übertragen sich auf das Liebes-, das Seelen- und Geistesleben. Die Orientierung
– und damit die Ausrichtung in die richtige Richtung – macht einer bewussten
„Neuen Unübersichtlichkeit“ (Jürgen Habermas) Platz, die alle Teile der
Gesellschaft erfasst hat.
Politischer Ausdruck davon ist in Deutschland die Große Koalition, die eine
vierzigjährige Periode der symbolischen Scheingegensätze beendet.
Das Primat von Konsum, Wirtschaft und Globalisierung hat zu einer
weitgehenden Entpolitisierung des Einzelnen geführt.
Da sich gleichzeitig zumindest die beruflichen Erfolgschancen drastisch
vermindert haben, wird die eigene Einstellung zum Erfolg zu einer wesentlichen
Frage der eigenen Identität.
Die drei hier entworfenen Koeffizienten sind ein Ansatz, komplexe
Einstellungen empirisch messbar zu machen, ohne dabei den Anspruch auf
Würdigung der Individualität aufzugeben. Dieser Ansatz ist selbst paradox.
Er ist jedoch Antwort auf die längst vorhandene Komplexität unserer
gesellschaftlichen und persönlichen Wirklichkeit – wir wissen kaum mehr,
wohin es geht, aber das wissen wir sehr genau.
1.) Der double-bind Koeffizient
Sieben sich widersprechende Eigenschaftspaare können in Frage 1 maximal
gewählt werden. Ein Koeffizient von Null drückt eine vollkommene
Logik der Entscheidung aus, wie sie in der Praxis kaum mehr vorkommt – es sei
denn, die Entscheidung wird künstlich erzwungen oder in die Testsituation
projiziert.
Die Skala des double-bind Koeffizienten verläuft nicht linear, sondern fast
exponential.
Bereits in der ersten Frage ermöglicht es der double-bind Koeffizient, die
Fähigkeit zu messen, widersprüchliche Eigenschaften zu erkennen und zu
bewältigen bzw., solche zu vermeiden.
2.) Der Objektivitätskoeffizient
Die in Frage zwei vorgeschlagenen Persönlichkeiten sind teilweise positiv wie
negativ polarisierend. Die Neigung, Persönlichkeiten die man ablehnt, auch
als erfolglos zu bezeichnen bzw. ihre Erfolge herabzuwürdigen, ist ein
wesentliches Moment beim Aufbau eigener Erfolgsbilder.
So gilt noch immer in vielen Familien der Wunsch, die Kinder mögen es
„einmal besser als wir“ haben, obwohl sich das längst auf immaterielle Ziele,
insbesondere auf eine intakte Ehe und Familie bezieht.
Wenn also eine negativ empfundene Persönlichkeit, die objektiv erfolgreich
war, im Vergleich zu alternativen „positiven“ Persönlichkeit herabgesetzt wird,
lässt sich darin der Grad der Objektivität messen. Ist man geneigt, anderen
gegenüber keine Objektivität walten zu lassen, wird man auch zu seinen eigenen
Erfolgen und Misserfolgen weniger objektiv stehen bzw. stärker den Emotionen
ausgeliefert sein.
3.) Der Realitätskoeffizient
Die Einschätzung von Chancen ist auch in einer totalen Informationsgesellschaft
ein schwieriges Unterfangen: Wie kann ich Chance von Erwartung, Erwartung
von Hoffnung und Hoffnung von der Wahrscheinlichkeit trennen, dass das
Erhoffte eintritt. Im Grunde gar nicht.
Allen Chancen und Risiken in unserer Gesellschaft liegen statistisch messbare
Daten zugrunde. Sie sagen nichts darüber aus, ob auch der einzelne betroffen
wird oder nicht, wohl aber über die Wahrscheinlichkeit. Da wir leicht geneigt
sind, Chancen wie Risiken zu hoch oder zu niedrig einzuschätzen – zur Freude
der Versicherungswirtschaft – bietet der Realitätskoeffizient einen Einblick in
das Ausmaß unserer Fehleinschätzung bzw. in unsere Stärke, negative Risiken
zu verdrängen und positive überzubewerten.
4.) Auswertung: Das Verhältnis der drei Koeffizienten
Aufgrund der vielen Kombinationsmöglichkeiten – so können ja auch gar keine
Antworten angekreuzt werden - gibt es eine zweigliedrige Auswertung.
Um zu verhindern, dass die Anzahl der Antworten das Ergebnis verändert, was
ja besondere Annahmen über das Ausfüllverhalten erforderte, bleibt die
Bewertung der Koeffizienten bestehen.
Das bedeutet, dass der Koeffizient auch dann gemessen wird, wenn z.B. in Frage
eins nur 5 Eigenschaften angekreuzt wurden.
Wenn jemand nun nur fünf „positive“ Eigenschaften, Persönlichkeiten oder
Risiken ankreuzt, erhält er die gleiche Punktzahl wie bei den „negativen“, nur
mit einem „Minus“ davor.
Es werden dann die „positiven“ Eigenschaften auf einem Punktekonto
gesammelt, die „negativen“ auf einem anderen.
Dabei tritt nun ein interessanter kybernetischer Effekt ein: Wer alle Antworten
in den Fragen 1 und 2 ankreuzt, kommt zu einem relativen Gleichgewicht beider
Konten. Dies geschieht auch, wenn nur wenige, aber gegensätzliche Antworten
angekreuzt werden.
Das maximale Punktekonto aus 1 und 2 beträgt 15 Punkte bzw. -15 Punkte auf
jedem Konto. Jedoch wird Frage 1, also die Selbstbeurteilung dreimal höher
gewichtet, als 2, wo es um Fremdbeurteilung geht.
Das bedeutet: Die Punkte aus 1 werden mit drei multipliziert.
Frage 3 wird mit der doppelten Punktzahl gewertet, da es hier auch um die
Selbsteinschätzung geht.
Das Verhältnis aller drei Konten nun hat eine doppelte Auswertung:
1.) Die Gesamtpunktzahl auf jedem Konto
2.) Das Verhältnis zwischen den Konten
Eine hohe Gesamtpunktzahl auf dem „Negativkonto“ spricht für eine extrem
realistische und pragmatische und selbstkritische Einstellung zu Erfolg. Stehen
ihr gleichzeitig auf dem „Positivkonto“ eben so viele „Verstärker“ gegenüber,
kann man von einer entspannten Ausgeglichenheit ausgehen.
Je näher sich beide Konten der Null nähern, desto mehr deutet darauf hin, dass
die Person mit der widersprüchlichen, postmodernen Gesellschaft und ihren
komplexen Erfolgswegen umgehen kann.
Je geringer die Gesamtpunktzahl ausfällt und je niedriger das Gleichgewicht
zwischen den beiden Konten ist, desto mehr deutet darauf hin, dass Optimismus
und Pessimismus überwiegen und die Einstellung zu Erfolg aus traditionell
übermittelten Vorstellungen stammt, die es schwer machen, mit der heutigen
Wirklichkeit geschickt umzugehen.
Die Auswertung wird nicht in Typologien gegeben, sondern in einem Text,
der vorsichtig solche Interpretationen andeutet, ohne zu stigmatisieren.
Der Erfolgstest ist als Anregung zum Nachdenken über den eigenen Erfolgsweg
gedacht, nicht als Erfolgsrezept oder Prognose.
|